Gedichte

Dienstag, 23. August 2011

Zum Licht.

Rainer Maria Rilke

1.

Nur nicht im Dunkel
Schmählich erschlaffen!
Im Lichtgefunkel
Leben und schaffen.
Nur im Verstecke
Nicht müd’ versiechen,
Kränkeln und kriechen —
Nur das nicht!
Richte und recke
Auf dich zum Licht!

2.

Siegende Sonne
Hellt dir die Brust,
Wogende Wonne
Wird dir bewußt,
Unter der Decke
Ängstlicher Kleinheit
Wärmt sich — Gemeinheit;
Nur das nicht!
Richte und recke
Auf dich zum Licht!

3.

Sowie des Lichtes
Funken sich heben,
Sieh’, des Gedichtes
Rhytmisches Schweben,
Daß es dich wecke
Aus deinen Träumen . . . .
Zaudern und säumen?
Nur das nicht!
Richte und recke
Auf dich zum Licht!


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Montag, 23. Mai 2011

Kopf hoch!

Cäsar Otto Hugo Flaischlen


Weil dir ein goldener Traum zerronnen,
was hast du drum für herbe Qual?!
es ist doch nicht das erste Mal,
daß dich enttäuscht, was du begonnen!

Den Kopf hoch! auf! wozu verzagen
kleingläubig gleich und hoffnungslos?!
dein Mut schien doch so riesengroß,
das Letzte selber kühn zu wagen!

Auf drum und weiter! ohne Bangen!
und wenn’s dir noch soviel entlaubt!
Wer will und an sein Können glaubt,
wird immer an sein Ziel gelangen!


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Sonntag, 13. März 2011

Die Träume

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Die Träume

Karl Egon Ebert

Ich träumte unterm Lindenbaum
Von Frühlingsduft und Blüten,
Und als ich war erwacht vom Traum,
Da hört‘ ich Stürme wüten,
Und Zweige lagen dürre herum,
Und gelbe Blätter um und um,
Und kalter Reif hing silberweiß
An jedem Reis.

Einst träumt‘ ich auch von Lieb‘ und Treu‘,
Und schwamm in süßen Wonnen,
Doch plötzlich riss der Traum entzwei,
Die Luft war all‘ zerronnen;
Ich fühlt‘ um mich, und fand kein Herz,
Ich fühlte nur an hartes Erz,
Und kalt war Alles rings um mich,
Und fürchterlich.


Ich träumte dann von Sturm und Schnee,
Von Hagel, nach und Schauer,
Von bitt’rer Qual, von heißem Weh,
Von Gram und banger Trauer;
Und wie ich da vom Traum erwacht,
Hat heit’rer Tag mich angelacht,
Und wonnig zog durch meine Brust
Des Himmels Lust.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Samstag, 12. Februar 2011

Befreiung

Thekla Lingen

Noch einmal reckt die Schuld ihr drohend Haupt
Und greift nach mir mit gierigen Rächerhänden,
Genug! du hast den Frieden mir geraubt,
Doch meinen Sieg sollst du mir nicht entwenden.

Ich hab gekostet vom Erkenntnisbaum,
Ich habe nackt vor meinem Gott gestanden;
Es sank die Lüge wie ein schwerer Traum,
Die Seele riss sich los aus ihren Banden.

Genug! mich treffen deine Blicke nicht,
Geheilt, vernarbt sind alle alten Wunden
Ich stehe in der Wahrheit reinem Licht,
Ich habe mich und meinen Grund gefunden.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 26. Januar 2011

Berlin

Paul Boldt (*1885 †1921 )

Die Stimmen der Autos wie Jägersignale
Die Täler der Straße bewaldend ziehn.
Schüsse von Licht. Mit einem Male
Brennen die Himmel auf Berlin.

Die Spree, ein Antlitz wie der Tag,
Das glänzend meerwärts späht nach Rettern,
Behält der wilden Stadt Geschmack,
Auf der die Züge krächzend klettern.

Die blaue Nacht fließt in der Forst.
Sie fühlt, geblendet, daß du lebst.
Schnellzüge steigen aus dem Horst!
Der weiße Abend, den du webst,

Fühlt, blüht, verblättert in das All.
Ein Menschenhände-Fängen treibst du
Um den verklungnen Erdenball
Wie hartes Licht; und also bleibst du.

Wer weiß, in welche Welten dein
Erstarktes Sternenauge schien,
Stahlmasterblühte Stadt aus Stein,
Der Erde weiße Blume, Berlin.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Samstag, 25. Dezember 2010

Weihnachten

Max Dauthendey

Die eisige Straße mit Schienengeleisen,
Die Häusermasse in steinernen Reih'n,
Der Schnee in Haufen, geisterweißen,
Und der Tag, der blasse, mit kurzem Schein.

Der Kirchtüre Flügel sich stumm bewegen,
Die Menschen wie Schatten zur Türspalte gehn;
Bekreuzen die Brust, kaum daß sie sich regen,
Als grüßen sie jemand, den sie nur sehn.

Ein Kindlein aus Wachs, auf Moos und Watten,
Umgeben von Mutter und Hirten und Stall,
Umgeben vom Kommen und Gehen der Schatten,
Liegt da wie im Mittelpunkte des All.

Und Puppen als Könige, aus goldnen Papieren,
Und Mohren bei Palmen, aus Federn gedreht,
Sie kamen auf kleinen und hölzernen Tieren,
Knien tausend und tausend Jahr im Gebet.

Sie neigen sich vor den brennenden Kerzen,
Als ob im Arm jedem ein Kindlein schlief,
Siehst Du sie atmen mit behutsamen Herzen
Und lauschen, ob das Kind sie beim Namen rief.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 15. September 2010

Herbst

Herbst03


Herbst

Rainer Maria Rilke

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: Es ist in allen.
Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 26. August 2010

Sehnsucht nach Berlin.

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Sehnsucht nach Berlin

Joachim Ringelnatz

Berlin wird immer mehr Berlin.
Humorgemüt ins Große.
Das wär mein Wunsch: Es anzuziehn
Wie eine schöne Hose.

Und wär Berlin dann stets um mich
Auf meinen Wanderwegen.
Berlin, ich sehne mich in dich.
Ach komm mir doch entgegen!

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 5. August 2010

Wolken

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Wolken


Hugo von Hofmannsthal

Am nächtigen Himmel
Ein Drängen und Dehnen,
Wolkengewimmel
In hastigem Sehnen,

In lautloser Hast
- Von welchem Zug
Gebietend erfaßt? -
Gleitet ihr Flug,

Es schwangt gigantisch
Im Mondesglanz
Auf meiner Seele
Ihr Schattentanz,

Wogende Bilder,
Kaum noch begonnen,
Wachsen sie wilder,
Sind sie zerrronnen,

Ein loses Schweifen...
Ein Halb-Verstehn...
Ein Flüchtig-Ergreifen...
Ein Weiterwehn...

Ein lautloses Gleiten,
Ledig der Schwere,
Durch aller Weiten
Blauende Leere.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Dienstag, 29. Juni 2010

Einen Sommer lang

Detlef von Liliencron

Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang,
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.

Wenn wir uns von ferne sehen,
Zögert sie den Schritt,
Rupft ein Hälmchen sich im Gehen,
Nimmt ein Blättchen mit.

Hat mit Ähren sich das Mieder
Unschuldig geschmückt,
Sich den Hut verlegen nieder
In die Stirn gerückt.

Finster kommt sie langsam näher,
Färbt sich rot wie Mohn,
Doch ich bin ein feiner Späher,
Kenn' die Schelmin schon.

Noch ein Blick in Weg und Weite,
Ruhig liegt die Welt,
Und es hat an ihre Seite
Mich der Sturm gesellt.

Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang,
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

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Gedichtekarussell Nr.7
Illusion und Wirklichkeit


Bastian Kienitz
Augenblicke



Reiner Kranz
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Zuletzt aktualisiert: 23. August, 23:35

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